NIFFF 2011: Erste Details

Für seine 11te Ausgabe präsentiert das Neuchâtel International Fantastic Film Festival mehr als eine Woche lang Genrefilme. Neu verfügt das NIFFF als Ersatz für das Open Air über einen zusätzlichen Vorführungssaal im Temple du Bas und bietet zwei neue Sektionen an: Films of the Third Kind und Ultra Movies. Zu diesen beiden Programmen gesellt sich die Retrospektive Just a Film, die dem so vielseitigen wie verkannten «Gore»-Genre gewidmet sein wird – dies in Anwesenheit eines Pioniers dieser Gattung, Herschell Gordon Lewis.

Neuer Projektionssaal im Temple du Bas
Ab 2007 organisierte das NIFFF für das Festivalpublikum ein Open Air Kino auf dem Quai Ostervald. Nach dem Wegfall des Unternehmens Perron 8, mit dem sich das NIFFF seit 2009 die Infrastruktur teilte, entschied sich die Festivalleitung, aus finanziellen Gründen auf die Organistion von Freilichtvorführungen zu verzichten. Als Ersatz für dieses Projekt betreibt das NIFFF einen neuen Kinosaal mit mehr als 600 Plätzen beim Temple du Bas, im Herzen von Neuenburg. Dieser Saal ermöglicht rund zwanzig zusätzliche Vorführungen und erhöht die Gesamtaufnahmekapazität des Festivals.

Films of the Third Kind und Ultra Movies
Für 2011 erweitert das NIFFF seine Programmation um zwei neue Sektionen: Erstens Films of the Third Kind, eine für das grosse Publikum bestimmte Auswahl der besten Vorpremieren der Saison, u.a. mit dem spektakulären Detective Dee and the Mystery of the Phantom Flame des legendären Hongkong-Regisseurs Tsui Hark; und zweitens Ultra Movies, eine Reihe aus Mitternachtsvorstellungen mit den extremsten und seltsamsten Auswüchsen des gestrigen und heutigen Genrekinos. Eine einzigartige Gelegenheit, bizarre Filmperlen zu entdecken, wie etwa Norwegian Ninja, einen unglaublichen und atemberaubenden Spionagefilm, der nordische Kultur mit Kung Fu verbindet.

Retrospektive: Just a Film!
Dieses Jahr widmet das NIFFF seine grosse Retrospektive dem so genannten «Gore»-Film. Für das Festival ist dieses Programm ein unverzichtbarer Schritt im Rahmen seiner stetigen Bemühungen, die Vielseitigkeit des fantastischen Films auszuloten. Seit mehr als zehn Jahren ist das NIFFF darum bemüht, die zahlreichen Facetten und Ansätze des fantastischen Kinos ins rechte Licht zu rücken, fernab aller Klischees, die auf dem Genre lasten mögen. Aus dieser Sicht möchte das Festival nun auch die zahlreichen Vorurteile zum Thema Gore hinterfragen. Im weitesten Sinne steht «Gore» für Filme, die auf spektakuläre Weise diverse Veränderungen am menschlichen Körper in Bilder zu fassen. Eingestandener Hauptzweck dieser Filme ist es, die Zuschauer zu befremden, aber wie es der Titel des Programms schon sagt: It’s! just a film! Alles nur Kino!

Das in Shakespeares Stücken und im Grand-Guignol-Theater wurzelnde Genre durchzieht die gesamte Filmgeschichte. Schon kurz nach dem Aufkommen des Kinematografen nutzten Filmemacher dessen expressives Potenzial, um den menschlichen Körper auf möglichst beeindruckende Weise darzustellen. Mit Just a Film können diverse Klassiker dieses Genres der puren Empfindungen (wieder-)entdeckt werden – von den ersten Experimenten von Georges Méliès über den gotischen Horror der 50er bis zur eigentlichen Blütezeit des Genres ab 1963, ausgelöst durch die Werke des US-Filmemachers Herschell Gordon Lewis.

Herschell Gordon Lewis wird seine bedeutendsten Filme in Fleisch und Blut vorstellen – reine Exploitation-Produkte mit so vielsagenden Titeln wie Blood Feast, The Gore Gore Girls und 2000 Maniacs! Auf der Suche nach den Erben von Lewis begibt sich Just a Film danach in die 80er, als das Genre zum internationalen Massenphänomen wurde und in den Händen von Regisseuren wie David Cronenberg, Sam Raimi oder Peter Jackson gar in den Mainstream vordrang.

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Admin von Splatterwelt.ch und Filmkritiker bei SRF-Virus