Jagten / The Hunt / Die Jagd (2012) [Film-Review]

Kritik zum Film «Jagten» von Regisseur Thomas Vinterberg

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Land: Dänemark
Jahr: 2012
Regisseur:
Thomas Vinterberg
Schauspieler:
Mads Mikkelsen, Alexandra Rapaport, Thomas Bo Larsen, Anne Louise Hassing, Lars Ranthe, Susse Wold, Ole Dupont
Laufzeit:
ca. 111 Minuten
Altersfreigabe:
Ab 16 Jahren
Release-Datum: 31. Januar 2013 (Kino – Frenetic Films)
Offizielle Homepage:

Inhalt: Lucas, ein vierzigjähriger Kindergärtner, ist frisch geschieden und gerade dabei, sein Leben neu zu ordnen. Es scheint alles auf gutem Wege zu sein: Sein Teenagersohn Marcus will wieder bei ihm leben, und in der hübschen Nadja findet er eine neue Freundin. Auch sein neuer Job macht ihm Spass und mit den Kindern versteht er sich prächtig. Doch plötzlich laufen die Dinge falsch. Eine falsche Geschichte – eine zufällige Lüge. Und als der erste Schnee fällt und überall die Weihnachtslichter angehen, beginnt die Lüge sich wie ein Virus zu verbreiten. Angesichts der plötzlichen Massenhysterie, welche die kleine Gemeinde ergreift, sieht Lucas sich gezwungen für sein Leben und seine Würde zu kämpfen. (Frenetic)

Einige Bilder zum Film

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Mein Fazit:

Eine Lüge kann nicht nur eine Beziehung oder eine Freundschaft zerstören, nein, wenn es richtig übel wird, kann auch ein ganzes Leben vor die Hunde gehen. Thomas Vinterberg visualisiert in „Jagten“ minutiös den Weg einer genau solchen Lüge und den dadurch angerichteten Schaden.

Kindesmissbrauch ist ein äusserst heikles Thema und wohl eines der schrecklichsten Verbrechen überhaupt. Bei keinem anderen Verbrechen setzt sich eine Gemeinschaft, resp. die Gesellschaft, so für Gerechtigkeit ein, wie wenn es um die eigenen Kinder geht. Es ist deshalb nachvollziehbar, dass wenn ein kleines Mädchen von einem sexuellen Übergriff berichtet, man diese Aussagen ernst nimmt. Im Film wird deshalb weder von den Eltern noch von den Lehrern keine Sekunde an den Berichten des Mädchens gezweifelt.

Die Nachricht über den angeblichen sexuellen Übergriff verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Jeder Dorfbewohner springt auf den Zug der Anschuldigungen auf, bis letztlich auch der Letzte von der Schuld des „Täters“ überzeugt ist. Was folgt gleicht einer Hexenjagd. Die Gemeinschaft stellt sich gegen einen Menschen, ohne einen Beweis für seine Schuld aufbringen zu können. Selbst wenn das vermeintliche Opfer ihre Beschuldigungen zurück nimmt – die breite Masse weicht nicht mehr von ihrem gemachten Bild ab. Schuldig bleibt schuldig.

Thomas Vinterbergs „Jagten“ ist ein brillanter Film, in welchem das Prinzip Einer gegen Alle als spannendes und unglaublich erscheinendes Kammerspiel dargestellt wird. Mads Mikkelsen beweist in der Rolle von Lucas einmal mehr, wieso der dänische Schauspieler zu den Besten im heutigen Film-Business gehört. Eine wuchtige und emotionale Darbietung.

Die Entwicklung einer vermeintlich lapidaren Lüge zu einem Ereignis, welches das Leben vieler Menschen nachhaltig beeinflusst, wirkt unwirklich. Doch genau dies zeichnet den Film aus: Erzählt wird eine Alltagssituation die jederzeit und überall passieren könnte, die sich auf schlimmstmögliche Art und Weise entwickelt. „Jagten“ erschüttert.

Sensationell.

4.5/5 Totenköpfen

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Schweizer Trailer

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Bilder: © Frenetic Films. All Rights Reserved.

Über Jerome 617 Artikel
Admin von Splatterwelt.ch und Filmkritiker bei SRF-Virus