Wie sich das Zurich Film Festival Social Media-Präsenz kauft

Für die 12. Ausgabe wurden Social Media-Persönlichkeiten aus der ganzen Welt ans Zurich Film Festival eingeladen. Auf Kosten des Festivals.

© Zurich Film Festival. All Rights Reserved.
© Zurich Film Festival. All Rights Reserved.

Wer in den vergangenen Tagen an einem Presse-Screening des Zurich Film Festivals teilnahm, der wurde unumgänglich auf eine junge englisch sprechende Gruppe aufmerksam. Die Personen wirkten vertraut, es gab rege Diskussionen, es wurden unzählige Selfies im Kinosaal geschossen und sogar gefilmt.

„Social Media Influencers“

In einem Artikel von Screen Daily wurde man schliesslich fündig, was es damit auf sich hat. Die Organisatoren des Zurich Film Festivals haben „Social Media Influencers“ aus der ganzen Welt an die 12. Ausgabe des Filmfestivals eingeladen.

Was das bedeutet, sieht man hier:

Folgende Zeile aus dem Screen Daily Artikel, wirkt bei diesen Social Media Posts aber ein bisschen zynisch.

The move is a potential boon for local [film] distributors with the social media stars likely to spread the word about Zurich films they enjoy to their many followers back home.Screen Daily

Bei den wenigsten (bis zum jetzigen Moment – 30.9.2016) veröffentlichten Social Media Posts geht es um die Filme oder das Zurich Film Festival an sich. Viel mehr stehen die hohen Schweizer Preise, oder der Aufenthalt in Zürich im Zentrum.

Auf Kosten des Festivals

Auffallend unter all den Social Media Posts war vor allem folgender Tweet von Freelance-Filmkritiker Mike D’Angelo, der ebenfalls ans Festival eingeladen wurde.

Wie man aus diesem Tweet entnehmen kann, übernimmt das Zurich Film Festival die Auslagen der eingeladenen Gäste im Bezug auf Kost und Logis – das beinhaltet unter anderem die Flüge und den Aufenthalt, beispielsweise im 4-Sterne Hotel „B2 Boutique Hotel + Spa“.

Gleichzeitig verkündet das Festival, dass die Medienpräsenz dieses Jahr auf dem höchsten Stand seit 2005 sei, mit rund 630 akkreditierten Journalisten. Es wirkt jedoch etwas irritierend, dass diese durch das Festival eingeladenen und bewirteten Gäste, auch mit Presse-Badges ausgestattet werden, so wie die restlichen Medien-Vertreter. Da fragt man sich automatisch, sind diese Social Media-Persönlichkeiten nun auch in dieser offiziellen Medien-Vertreter Statistik einberechnet worden?

Zudem wirkt es ganz grundsätzlich undurchsichtig, wieso eingeladene Gäste mit einem Presse-Pass ausgestattet werden. Schlussendlich widerspricht die Einladung und die Übernahme von Auslagen durch das Festival exakt dem, was den Journalismus ausmacht. Einer neutralen Berichterstattung.

Das Zurich Film Festival erkennt völlig korrekt die Wichtigkeit der Wirkung und Ausstrahlungskraft der eigenen Marke im Netz. Mit solch einer Social Media-Strategie geht das Festival in eine sehr spannende Richtung. Marketing und Journalismus sollten dabei aber zwingend und ersichtlich voneinander getrennt bleiben.

Über Jerome 614 Artikel
Admin von Splatterwelt.ch und Filmkritiker bei SRF-Virus

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